Presse
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13.12.2011/rk
Quelle: Zeit online
Großeltern: So nah wie nie zuvor
Großeltern engagieren sich als Betreuer und Spielkameraden ihrer Enkel, als Kulturvermittler und Ratgeber. Das Verhältnis zwischen den Generationen ist besser denn je.
In seinem Leben ist Manfred Weiß schon viel herumgekommen. Als Manager im Verkauf eines großen Konzerns war er häufig in Deutschland und Europa unterwegs. Nach seiner Pensionierung trieb ihn das Fernweh in die USA, nach China und Mexiko. Ein großes Reiseabenteuer aber steht dem Hamburger noch bevor: ein paar Tage Campen mit seinem Enkel. »Mit Anton in der Natur Fahrrad fahren und abends irgendwo das Zelt aufschlagen – das ist so ein Traum von mir«, sagt Weiß.
Bald könnte es so weit sein: Anton ist jetzt sieben. Gleichzeitig hat Weiß keine Eile; er ist schließlich erst 70. Aller Voraussicht nach stehen den beiden noch viele gemeinsame Jahre bevor.
Was für Anton der »Opapa«, ist für seine zweieinhalbjährige Cousine Leah die »Omama«: nach den Eltern der wichtigste Mensch der Welt. Regelmäßig kümmern sich Opa Manfred und Oma Marianne Weiß um den Nachwuchs ihrer beiden Töchter, mitunter mehrmals die Woche. Sie übernehmen die Betreuung der Enkel, wenn der Job ihre Kinder über den Feierabend hinaus fordert, und springen ein, wenn Fieber oder Bauchweh den Besuch von Schule oder Kita unmöglich machen. Jeden Sommer fahren die beiden Generationen der Familie Weiß gemeinsam für zwei Wochen an die Ostsee, weitgehend ohne Eltern.
Eine Ausnahme? Tatsächlich waren Großeltern und Enkel niemals enger verbunden als heute. Sie verbringen mehr gemeinsame Zeit als früher, ihr Kontakt ist persönlicher, und sie kommen besser miteinander aus. Die neue Eintracht der Generationen hat viele Gründe, zuerst einmal demografische: Nie zuvor konnten sich so viele Großeltern so intensiv um ihre Enkel kümmern wie heute. Während eine Oma Anfang des 20. Jahrhunderts ein halbes Dutzend Kindeskinder mit Zuwendung bedenken musste, wetteifern nun oft mehrere Großeltern um die Gunst eines einzigen Enkels. Dafür bleibt ihnen aufgrund der längeren Lebenserwartung mehr Zeit. Heute begleiten Omas und Opas ihre Enkel nicht nur zur Einschulung, sondern oft auch zur Abitur- oder gar zur Examensfeier.
Laut der Betreuungsstudie des Deutschen Jugendinstituts verbringt jedes dritte Kind im Alter bis zu drei Jahren mindestens einmal die Woche mehrere Stunden bei Oma oder Opa. Als Babysitter setzen sogar zwei Drittel der Eltern sporadisch ihre eigenen Väter und Mütter ein. Geografische Nähe ermöglicht das: Anders als vielfach angenommen, wohnen die Generationen oft nicht weit voneinander entfernt: Knapp 40 Prozent aller Kinder bis 16 Jahre trennt höchstens eine Viertelstunde Fußweg vom nächsten Großelternteil, weitere 35 Prozent der Großeltern sind innerhalb einer Stunde erreichbar.
Natürlich fügen sich nicht alle Großeltern in dieses Bild. Sozialforscher unterscheiden verschiedene Typen, darunter die Gruppe der »freundlich-distanzierten« Großeltern. Sie halten nur losen Kontakt zu den Enkeln. Unter anderem, weil sie glauben, dass sie ihre Betreuungspflichten schon als Eltern erfüllt haben. Doch das ist eine Minderheit. Die meisten Älteren wünschen sich, eine Bedeutung im Leben der ganz Jungen zu haben. Sie genießen es, gebraucht zu werden. Der Umgang mit den Kindeskindern ist gar eine Art Jungbrunnen – die Großeltern-Rolle gehöre »zu den wenigen positiv besetzten Altersbildern«, sagt François Höpflinger. Der Züricher Soziologe hat in der bislang größten qualitativen Untersuchung zum Verhältnis der beiden Generationen rund 700 Schüler und 500 ihrer Großeltern in der Schweiz befragt. Auf beiden Seiten betonten mehr als neun von zehn Befragten, wie wichtig ihnen ihre Beziehung sei.
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16.12.2911/rk
Quelle: Sueddeutsche Zeitung
Armutszeugnis: Wie fehlender Wohlstand die Lebenserwartung dämpft
Von Werner Bartens
Wer arm ist, muss früher sterben - das ist das Ergebnis einer jüngst veröffentlichten Studie. Die Regierung hat die Interpretation umgehend für falsch erklärt und beruft sich auf die bekannten Risikofaktoren wie falsche Ernährung und mangelnde Bewegung. Doch damit versucht ein immer noch reiches Land sein eigenes Versagen in der Arbeits- und Sozialpolitik zu vertuschen.
Männer und Frauen haben es doch auch geschafft: Sie gleichen sich einander langsam wieder an, zumindest in der Lebenserwartung. Der Vorsprung der Frauen hatte in den 1970ern mehr als sieben Jahre betragen, seitdem ist er aber kontinuierlich geschmolzen und liegt jetzt nur noch bei etwa fünf Jahren.
38 Jahre hat Manfred Birk als Handwerker geschuftet. Mit seiner Rente kann der fast 80-Jährige heute kaum seinen Lebensunterhalt, geschweige denn einen schönen Lebensabend finanzieren. (© dpa)
Die Erklärung ist einfach: Immer weniger Männer üben riskante Berufe aus. Und immer mehr Männer verhalten sich in Freizeit wie Beruf umsichtiger und gesundheitsbewusster; sie rauchen und trinken weniger, essen ausgewogener.
Die Schere der Lebenserwartung klafft grotesk auseinander
Bei Arm und Reich hat es noch nicht geklappt. Die Schere in der Lebenserwartung klafft weiterhin grotesk auseinander. Uneinig sind sich Sozialmediziner allenfalls darüber, um wie viele Jahre ein Mensch kürzer lebt, wenn er schlecht ausgebildet ist und sein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt. Sieben Jahre Unterschied wurden und werden für Deutschland postuliert, gelegentlich ist bei Männern sogar von einer um bis zu elf Jahre divergierenden Lebenserwartung die Rede. Bei Frauen ist die Differenz wohl geringer, die Datenbasis aber auch dünner.
Aufgeschreckt wurden Politiker wie Sozialexperten in dieser Woche durch die Meldung, dass die Unterschiede in der Lebenserwartung in Deutschland gegenwärtig zunehmen, wenn man den sozioökonomischen Status berücksichtigt. Demnach wäre die Lebenserwartung von Geringverdienern um zwei Jahre gesunken - während sie für die Gesamtbevölkerung weiterhin leicht ansteigt.
Umgehend wurde Kritik an der Methodik der Datenerhebung laut, das Arbeitsministerium erklärte die Interpretation für falsch.
Das schnelle Dementi der Bundesregierung verschleiert gleich mehrere Skandale: In Deutschland sind eben nicht die allenthalben angemahnten Risikofaktoren wie Cholesterinanstieg, Bluthochdruck, Fettleibigkeit oder Bewegungsmangel die größten Gefahren für die Gesundheit.
Die Zugehörigkeit zu einer niedrigen und bildungsfernen sozialen Schicht stellt vielmehr die heftigste Bedrohung für Leib und Leben dar. Es geht nicht um Lipidstörungen, entgleiste Blutzuckerspiegel oder schlechte Eisenwerte. Wer arm ist, muss früher sterben - ein Armutszeugnis für ein immer noch reiches Land, das es von politischer Seite offenbar schnell hinwegzuwischen gilt.
Die Begründung für die niedrigere Lebenserwartung der Geringverdiener, Arbeitslosen und anderweitig zu kurz gekommenen war lange Zeit erstaunlich schlicht. Die Schuldzuweisung an die Unterprivilegierten funktionierte zuverlässig: Wenn ihr das Falsche esst, euch zu wenig bewegt und dabei nach und nach verfettet, müsst ihr euch nicht wundern, wenn eure Kranzgefäße und Hirnarterien verkalken und ihr früher sterben müsst.
"Dick, doof und arm?" (Droemer), lautet der Buchtitel des Bremer Soziologen Friedrich Schorb, der das gängige Vorurteil auf den Punkt brachte und die medizinisch verbrämte Diskussion um richtige Ernährung und falsches Übergewicht als fette Lüge entlarvte.
Es ging um eine Klassen- und keine Massenfrage, wie die entsprechenden politischen Kampagnen zeigten. Sie folgten schließlich dem bekannten Muster Erziehen und Demütigen. Auf die "Nationale Verzehrstudie" folgte der "Nationale Aktionsplan Ernährung", Gesundheitsminister versuchten mit Initiativen wie "3000 Schritte" das lethargische Volk vom Sofa zu locken.
Disziplinierungsmaßnahmen für das Prekariat
"Keine Happy Meals für die Unterschicht" - mit diesem Motto hat Friedrich Schorb die Disziplinierungsmaßnahmen für das Prekariat zusammengefasst. Schluss mit dem faulen Leben auf der Couch - statt es sich mit Hartz IV und RTL 2 gemütlich einzurichten und sich dabei eine Fertigpizza warm zu machen, soll fortan mit Trennkost und Nordic Walking frisch und alert die Fettschürze abgeschmolzen werden, um fit für den Arbeitsmarkt zu sein.
"Keine Happy Meals für die Unterschicht" - mit diesem Motto hat Friedrich Schorb die Disziplinierungsmaßnahmen für das Prekariat zusammengefasst. Schluss mit dem faulen Leben auf der Couch - statt es sich mit Hartz IV und RTL 2 gemütlich einzurichten und sich dabei eine Fertigpizza warm zu machen, soll fortan mit Trennkost und Nordic Walking frisch und alert die Fettschürze abgeschmolzen werden, um fit für den Arbeitsmarkt zu sein.
Die Lebenserwartung von Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, sinkt. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend.
Selbstdisziplin beim Essen, Maß halten beim Gewicht, und wenn nicht der Marathon, dann bitte schön die Teilnahme am Firmenlauf gelten längst als Kennzeichen des leistungsbereiten High-Performers, auf den bei der Arbeit Verlass ist und der gern noch eine Schippe drauflegt. In einer Gesellschaft, in der theoretisch jeder genug zu essen oder ein Überangebot an Lebensmitteln vor sich hat, zeugt es von Leistungswillen und Konzentration auf das Wesentliche, wenn man die Nahrungsaufnahme beschränkt und sich nicht der Völlerei hingibt.
Ursache für Leid und frühen Tod liegt in Arbeits- und Lebensverhältnissen
Um ungesundes Essen, zu hohes Gewicht und mangelnde Bewegung geht es aber längst nicht mehr, wenn Gründe für das kurze Leben mit wenig Geld und geringer Bildung gesucht werden. Zwar mögen Geringverdiener die Praxisgebühr scheuen und seltener den Arzt aufsuchen. Die Hauptursache für Leid und frühen Tod ist aber in den Arbeits- und Lebensverhältnissen selbst zu suchen.
Inzwischen zeigen etliche Untersuchungen, wie sehr sich berufliche Unsicherheit, ökonomische Krisen, Existenzangst und finanzielle Not auf die Gesundheit auswirken. Die Beispiele sind ebenso vielfältig wie gut belegt: Der unzufriedene Arbeiter, der sich müht und dennoch nicht vorankommt, hat ein dreifach höheres Risiko als sein gleichaltriger Fabrikdirektor, einen Herzinfarkt zu erleiden. Nach jeder Wirtschaftskrise folgt zuverlässig mit einer Latenz von eineinhalb bis drei Jahren eine Zunahme der Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Rückenleiden sind in statistisch beeindruckendem Umfang hauptsächlich das Leiden der beruflich Unterdrückten und Entwerteten. Gratifikationskrisen nennen Ärzte und Psychologen den Zustand, in dem man sich ständig müht, aber für seine Arbeit weder mehr Geld noch mehr Verantwortung noch eine andere Form der Anerkennung bekommt.
Angst und Unsicherheit erhöhen die Empfindlichkeit für Schmerzen. Unklare Schmerzsyndrome - ob sie nun den Kopf oder den Bewegungsapparat betreffen - sind neben psychischen Erkrankungen die Leiden, die in den Statistiken der Arbeitsausfälle immer häufiger auftauchen.
Besserung ist nicht zu erwarten: Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland so groß wie nie und einen sicheren Arbeitsplatz hat als einziger Deutscher wohl nur noch der Papst.
"Krankheit gilt als Nicht-Funktionieren"
Der OECD-Report 2011 hat in seinem Bericht "Divided We Stand - Why Inequality Keeps Rising" festgehalten, dass in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts die Ungleichheit nirgendwo so stark zugenommen hat wie in Deutschland und Dänemark, zwei Staaten, die traditionell immer vergleichsweise geringe soziale Unterschiede aufwiesen.
Vermutlich werden sich gesundheitliche Einschnitte bald in allen Schichten zeigen. Der flexibilisierte Arbeitsmarkt geht zwar auf den ersten Blick mit mehr Freiheiten für den Einzelnen einher. "Aber ist der Arbeitsplatz in Gefahr, sind Menschen bereit, sich mehr zuzumuten. Krankheit gilt als Nicht-Funktionieren. Das erlaubt man sich nicht, erst recht nicht in Krisenzeiten", diagnostiziert der Freiburger Soziologe Ulrich Bröckling in seinem Buch "Das unternehmerische Selbst" (Suhrkamp). "Und Freiheit und Flexibilität sind gleichzeitig mit entgrenzten Erwartungen verbunden. Man wird nie mit etwas fertig und kann die Ansprüche nie ganz erfüllen. Überstunden und der Druck nehmen zu, weil mehr Freiheit und Flexibilität an mehr Wettbewerb gekoppelt sind. Das ist die Kehrseite von mehr Freiheit."
Wie sehr sich soziale Unterschiede und Verhaltensmuster auf die Lebenserwartung von Mann und Frau auswirken, haben Untersuchungen im Kloster gezeigt. Bei Priestern und Nonnen gleicht sich mit dem ähnlichen Alltag die Lebenserwartung auf ein Jahr an, der Zwölfmonatsrest ist wahrscheinlich tatsächlich nur biologisch zu erklären.
Zwischen Arm und Reich gibt es keinen biologischen Unterschied. Hier wäre eine totale Angleichung der Lebenserwartung theoretisch möglich, stattdessen sprechen etliche Hinweise und Tendenzen dafür, dass sich die Differenz vergrößert. Sozialpolitisch wäre das eine Hiobsbotschaft. Die neuen Daten von dieser Woche sind methodisch angreifbar. Bittere Wahrheiten enthalten sie womöglich trotzdem.
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18.10.2011/rK
Quelle: Stern
Die Schulden-Hysterie
Explodierende Staatsschulden sind die größte Angst der Deutschen. Das ist regelmäßig das Ergebnis des Sern-Sorgenbarometers. So verständlich die Sorgen sind: Mittlerweile beginnt die Schuldendiskussion hysterische Züge anzunehmen. Schulden seien alles, was wir unseren Kindeskindern hinterlassen, so ein gängiges Urteil. Wer so argumentiert, missachtet einen einfachen Zusammenhang: Zu jedem Kreditgeschäft braucht es zwei Akteure, einen Gläubiger und einen Schuldner. Forderungen und Verbindlichkeiten heben sich gegenseitig auf. Die Schulden des einen sind das Guthaben der anderen. Deshalb hinterlassen wir unseren Kindern nicht nur Schulden, sondern auch Vermögen.
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24.09.2011/rK
Quelle: TAZ
PFLEGEVERSICHRUNG?!
DIE FDP WILL NUR DIE PRIVATE VERSICHERUNGSWIRTSCHAFT BEGLÜCKEN
Bahrs beschränkter Horizont
Kommentar von HEIKE HAARHOFF (Auszug)
In Deutschland leben derzeit 2,3 Millionen pflegebedürftige Menschen, bis 2050 wird sich ihre Zahl verdoppeln. 1,6 Millionen Menschen pflegen daheim ihre Angehörigen, eine weitere Million ist in der professionellen Pflege tätig. Diese wenigen Daten machen klar, worum es bei der Reform der Pflegeversicherung geht: nicht um die Sorgen einer gern abgeschriebenen Unterschicht, sondern um das existenzielle Problem einer alternden Gesellschaft - vor allem aber um die Einlösung eines Versprechens: in Würde altern zu dürfen.
Die Pflege ist also ein Thema, das Politiker, die sich christlich nennen oder auf das Recht auf Selbstbestimmung pochen, auf den Plan rufen müsste. Stattdessen wird die Reform nun zum zigsten Mal verschoben, werden die Betroffenen auf unbestimmte Zeit vertröstet, diesmal vom FDP-Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Der ist verstimmt darüber, dass ihm ein CDU-Politiker die Show gestohlen hat: Jungskacke bestimmt zunehmend das Regierungshandeln.
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08.09.2011/rk
Von der Leyens neueste Pläne!
Sozialverbände zerreißen Pläne gegen Altersarmut
Auch die Sozialverbände kritisierten die Pläne. Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, sprach in der "Passauer Neuen Presse" (PNN) von "purer Kosmetik". Wenn von aktuell 400.000 Älteren, die von der Grundsicherung abhängig seien, nur 17.000 profitierten, sei dies zu wenig. "Die Gruppe ist sehr eng eingegrenzt, kaum jemand profitiert."
Die Pläne seien eine "Mogelpackung", die Hürden für die Zuschussrente zu hoch, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, der PNN.
Ebenfalls als "Mogelpackung" bezeichnete SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles die Zuschussrente. "Eine derartige Aufstockung von Renten an lebensfremde Voraussetzungen zu knüpfen, geht an den wirklichen Problemen vorbei." Eine "Mini-Reform" reiche nicht aus. Notwendig sei zudem ein flächendeckender Mindestlohn.Katrin Göring-Eckhardt von den Grünen sprach von einer "Mini-Reform", mit der das Problem der Altersarmut nicht zu lösen sei.
Sogar aus den eigenen Reihen erntet Sozialministerin von der Leyen Kritik. So sagte etwa Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU) der "Leipziger Volkszeitung", die angekündigten Änderungen im Rentensystem seien unzureichend. Die drohende Altersarmut, von der die künftigen Rentner im Osten besonders betroffen seien, ließe sich damit nicht lösen.
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28.08.2011/rk
Quelle: Heiner Flassbeck
Heiner Flassbeck – Wie die Welt verrückt und wieder vernünftig wurde
Es war einmal vor kurzer Zeit. Da haben Banker und andere Geldmanager solange hemmungslos mit fremdem Geld gezockt, bis sie kurz vor der Pleite waren. Weil der Staat aber Angst hatte, die Pleite so vieler Banken könnte Panik bei den normalen Menschen auslösen, nahm er die Schulden der Zocker zunächst auf die eigene Kappe und verlangte von seinen Bürgern, dass sie auf die lange Sicht für die Schulden der Zocker geradestehen. Weil er aber die Zocker weder ins Gefängnis sperrte noch ihnen wenigstens das Zocken für die Zukunft verbot, gingen die Zocker sofort wieder zum Zocken, denn sie hatten ja nichts anderes gelernt.
Nun aber fanden die Zocker, dass es an der Zeit sei, auf die Pleite der Staaten zu wetten, denn die Staaten hatten ja jetzt enorm hohe Schulden. Also nannte man die von den Zockern ausgelöste Krise von nun an die „Staatsschuldenkrise“ und alle „guten“ Ökonomen und alle Medien machten schleunigst mit, weil sie ja schon immer gewusst hatten, dass alles Übel immer nur vom Staat kommen kann.
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01.08.2011/rk
Quelle: Rheinische Post - Online
“Deutliche Beitragssenkung ist möglich”
Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) sieht gute Chancen für eine deutliche Verringerung des Beitragssatzes. Er könne sich vorstellen, dass im kommenden Jahr eine Senkung des Beitrags zur Rentenversicherung auf 19,6 von derzeit 19,9 Prozent möglich ist, sagte DRV-Präsident Herbert Rische in einem Interview.
Der Zeitung zufolge beläuft sich die Rücklage der DRV nach Angaben von Rische derzeit auf rund 18,9 Milliarden Euro. Das entspreche etwa 1,1 Monatsausgaben. Im ersten Halbjahr 2011 seien die Pflichtbeiträge wegen des Wirtschaftsaufschwungs auf 82,2 Milliarden Euro gestiegen, ein Plus von 4,5 Prozent verglichen mit dem ersten Halbjahr 2010.
Anmerkung WL: Es ist schon ein ziemlicher Skandal, dass der Chef der Deutschen Rentenversicherung statt an eine Rentenerhöhung (der dramatisch abgesenkten Renten), an eine Senkung des Rentenversicherungsbeitrags ins Gespräch bringt
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